Dienstag, 29. März 2016

Mitgliederversammlung und Vortrag: Ulrich Goerdten - Das Buch als Symbol

19:00 Uhr

Ordentliche Mitgliederversammlung

ab ca. 19:15 Uhr 

Ulrich Goerdten - Das Buch als Symbol

Der Vortrag wird eine knappe Einführung in verschiedene Symboltheorien bringen (Ernst Cassirer, Susanne K. Langer, Sigmund Freud, Alfred Lorenzer u.a.) und das Buch sowie seine Teile unter dem Aspekt der Symbolik betrachten, wobei besonders die psychoanalytische Symboltheorie berührt wird. Das Buch soll in seinen Eigenschaften als Leib und Lebewesen, als Nahrungsmittel, als Gegenstand kleptomanischer Gelüste, als Fetisch und als anderweitiger Bedeutungsträger behandelt werden.

Montag, 22. Februar 2016

Bleilettern aus Kreuzberg erobern die Welt - Die Berthold AG und die Liebe zum Buch

Die Februarveranstaltung des Berliner – Bibliophilen – Abends mit dem Thema

Bleilettern aus Kreuzberg erobern die Welt –
Die Berthold AG und die Liebe zum Buch

führte die Mitglieder und Gäste am 22. Februar 2016 in die ehemalige Schriftgießerei „Berthold AG“, die sich im Hinterhof Gneisenaustraße / Ecke Mehringdamm bis 1993 befand. Jetzt befindet sich in den ehemaligen Fabrikräumen eine Schule für Erwachsenenbildung.
Es ging um die Geschichte dieser zeitweise wohl größten Gießerei Europas, die seit etwa 150 Jahren bestand und die natürlich durch Kriege, Wirtschaftskrisen und zuletzt durch die digitale Nutzung in der Technik des Druckes positive und negative Zeiträume zu bewältigen hatte. Anfang der 90iger Jahre wurde sie dann einfach nicht mehr gebraucht.
In der langen Geschichte dieser Fabrik konnten zusätzlich immer wieder schön gestaltete Bücher hergestellt werden - insgesamt 21 Berthold Privatdrucke - die zu Jubiläen, zur Geschichte der Fabrik Auskunft geben sollten und sicher auch zur Werbung dienten.
Das schöne Buch, das hier gedruckt wurde, war mit dem Namen Dr. Oscar Jolles (1860 - !929) eng verbunden. Jolles kam um 1900 in den Vorstand der Berthold AG, wurde später Direktor und wurde 1917 Mitglied des Berliner – Bibliophilen – Abends, damals geworben von dem Vorsitzenden Flodoard von Biedermann. Die Sammelgebiete von Jolles waren die Klassiker des Altertums, Goethe-Ausgaben und auch jüdische Bücher. Er starb 1929 und hinterließ Frau und zwei Kinder. Der Sohn, der Pianist war, konnte nach Antritt der Nazis rechtzeitig emigrieren, die Ehefrau und die Tochter wurden wegen ihres jüdischen Glaubens 1943 deportiert und ermordet. Dieser Abend des BBA sollte an die Berthold AG und ihren ehemaligen Direktor (bis 1926), seine bibliophilen Drucke und sein aktives Wirken im BBA erinnern. Einige der Druckerzeugnisse konnten anschließend besichtigt werden.
Einführende Worte zu den fast 30 Anwesenden sprach Herr Dr. Ziegler als Vorsitzender. Er gab noch Hinweise auf die nächsten Termine.

Dr. Christian Klinkenstein

Donnerstag, 21. Januar 2016

Weltreise. Chamisso - Humboldt - Forster - Ottinger

Zur Januar-Veranstaltung des Berliner Bibliophilen Abends fanden sich Mitglieder und Gäste am 21.Januar 2016 in der Staatbibliothek Potsdamer Straße ein, um sich die Ausstellung

Weltreise.
Chamisso - Humboldt - Forster - Ottinger

anzusehen. Die Führung übernahm Frau Dr. Jutta Weber.

Die Ausstellung dient der Erinnerung an die großen Reisen von Adelbert von Chamisso, Alexander von Humboldt und Reinhold Forster. Die Dokumentarfilmerin Ulrike Ottinger folgte 2014 den Spuren von Chamisso nach Kamtschatka, den Aleuten und nach Alaska. Sie filmte hier die Landschaft, die Tiere und Pflanzen und vor allem auch das Leben der Menschen, die dem Filmteam an diesen oft einsamen Orten begegnet sind.

Die Besucher treten ein in eine nachempfundene Jurte, in der an vier Seiten die Filme vorgeführt werden, davor sind im Kreis die historischen Handschriften der Staatsbibliothek ausgelegt, vereinzelt dazwischen Objekte des Museums für Naturkunde und des Botanischen Museums.

Die Ausstellung ist eindrucksvoll durch die Filme mit den großartigen Landschaften, so sieht der Besucher noch tätige Vulkane. Die Filme, zeitweise vom schaukelnden Schiff aufgenommen, vermitteln eine emotionelle Teilnahme. Auf einer anderen Leinwand werden die Menschen vorgestellt, die hier leben, wie sie heute noch oft als Nomaden leben, ihre großen Rentierherden hüten, wie sie sich kleiden, wie sie mit ihren Tieren umgehen, ihre Nahrung bereiten. Man erkennt auch ihre Bedürfnislosigkeit. Dann die Tiere hier, die auch als Nahrung für Mensch und Hund dienen, teilweise Unterwasseraufnahmen, die die Tierwelt mit vielen Fischen, Robben und großen Krebsen einfangen. Auf der vierten Leinwand der Boden der Tundra: die Pflanzen vorwiegend Kräuter mit weißen gelben und blauen Blüten, daneben Bodenstrukturen, Reste einstigen Lebens wie Wurzeln kleiner Bäume, Knochen, Felle und Federn, aber auch Hinterlassenschaften der wenigen Menschen hier wie alte zerfallende Seile und Fischernetzte, Bootsreste.

Die ausgelegten alten, originalen Handschriften belegen die notwendigen Vorbereitungen der Reisen damals, zeigen Tagebücher und Briefe, Auflistungen von Sammlungen, die immer wieder in die Heimat verschickt wurden, auch Zeichnungen von Tieren und Pflanzen und von Kunst, die den Forschern hier begegnet sind.

Die Zeit war zu kurz, um alle Eindrücke von damals und diejenigen von heute (durch die Filme) genau zu unterscheiden, was vielleicht ganz gut ist.

Dr. Christian Klinkenstein

Montag, 23. November 2015

Gerd-Josef Bötte: Zeitgenössische Künstlerbücher aus Berlin und Brandenburg aus der Künstlerbuch-Sammlung der Staatsbibliothek

Gerd-Josef Bötte, Stellvertretender Leiter der Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin: Zeitgenössische Künstlerbücher aus Berlin und Brandenburg aus der Künstlerbuch-Sammlung der Staatsbibliothek

Montag, 19. Oktober 2015

Jutta Osterhof: Eberhard Schlotter – Norddeutsche Eindrücke

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Jutta Osterhof, Vorsitzende des Kuratoriums der Eberhard-Schlotter-Stiftung im Bomann-Museum Celle sprach über

Eberhard Schlotter – Norddeutsche Eindrücke

Nachdem uns Frau Osterhof vor zwei Jahren bereits über die illustrierten Bücher und Mappenwerke Eberhard Schlotters fachkundig und lebhaft berichtet hat, werden wir nun etwas über die prägenden Eindrücke Niedersachsens auf den Künstler hören. Menschen, Sprache und Landschaft dieser Region spiegeln sich in seinen Zeichnungen zu Werken von Wilhelm Raabe ebenso wie zu denen von Arno Schmidt und anderen „Nordlichtern“ wider. Der Vortrag fand im Raum für Kunst und Diskurs, Nemtsov & Nemtsov, Witzlebenstr. 38, 14057 Berlin, statt.
Aus gegebenem Anlass kommt an diesem Abend die Jahresgabe 2015 zur Verteilung.


Diese Jahresgabe 2015 ist ein Faksimile einer bibliophilen Mappe vom Bomann-Museum und der Stadt Celle, gestiftet Jutta Osterhof. Es enthält neben einem Text Schlotters acht Radierungen, die sich mit dem Schriftsteller Wilhelm Raabe beschäftigen. Es erschien 1991 in einer Auflage von 700 Exemplaren und wurde gedruckt bei Reinheimer, Darmstadt und bei Hoffrath Roßdorf gebunden. Der BBA-Jahresgabe liegt ein Widmungsblatt bei.

Montag, 21. September 2015

Rainer Ehrt: Buchgelüste

Protokoll des Abends vom 21. September 2015

Die Buchlounge Zehlendorf war am 21. 9. 2015 Gastgeber für den Berliner – Bibliophilen – Abend. Herr Rainer Ehrt aus Kleinmachnow stellte mit seinem Vortrag unter dem Titel

Buchgelüste

als Maler und Grafiker, auch als Autor seine Arbeit bei der Gestaltung von Künstler– und Malerbüchern vor. Die Veranstaltung war mit 28 Mitgliedern und Gästen gut besucht. Nach der Begrüßung durch den Besitzer des erst seit 2015 bestehenden Buchladens, gab der Vorsitzende des BBA Herr Dr. Ziegler eine kurze Einführung und wies auf die nächsten Veranstaltungen hin.

Herr Rainer Ehrt, der seine Studienzeit als Grafiker zum Ende der achtziger Jahre beenden konnte, gründete 1993 eine eigene Edition, in der er für den Liebhaber einer schönen und dabei oft außergewöhnlichen Buchgestaltung entsprechende Werke herstellt. So wählt er dazu passende Autoren aus, gestaltet selbst das graphische Bild, nimmt ein gutes Papier, das mit einer künstlerisch gestalteten Schrift (handgezeichnet, Garamond, Didot antiqua) teilweise mit eigenen Texten passend für die jeweiligen Autoren versehen wird. Hier finden sich Brecht, Joyce, Wilde, Kafka, Lichtenberg, Rilke, St. Zweig und viele andere. Dazu kommen eigene Entwürfe von Künstlerbüchern, so der Tradition folgend ein „Totentanz“ mit 22 Holzschnitten.

Auch die grafischen Techniken sind vielgestaltig: Holzschnitt, Siebdruck, Offsetlitho, Aquatintaradierungen. Alles zusammen gefügt durch gute Buchbinder zu kleinen und großen Büchern oder Leporellos und oft in niedriger Auflage von 20 bis 50 Stück lässt gute und seltene Bücher entstehen. Auch die in Druckereien vergrößerten Auflagen liegen etwa bei 200 - 800 Exemplaren und bleiben damit selten. Die „edition ehrt“ kündigte ua. ihre Teilnahme auf der Art Brandenburg, der Art Book Berlin und der Buchmesse Leipzig an.

Der Vortrag ließ Fragen nach Absatzmöglichkeiten in der Zeit vieler elektronischer Texte und den Preisen dieser Bücher offen. Das konnte aber in der Diskussion geklärt werden, die von Herrn Ehrt ausgelegten Künstlerbücher wurden mit großem Interesse betrachtet.

Dr. Christian Klinkenstein

Montag, 15. Juni 2015

Frau Carola Pohlmann: Von der nützlichen Raupe zum schönen Schmetterling: Insektendarstellungen von der Aufklärung bis zur Neuen Sachlichkeit

Protokoll des Abends vom 15. Juni 2015
Von der nützlichen Raupe zum schönen Schmetterling: Insektendarstellungen von der Zeit der Aufklärung bis zur neuen Sachlichkeit

Das war das Thema, das Frau Carola Pohlmann aus der Kinderbuchabteilung der Staatsbibliothek am 15.06.2015 für die Mitglieder und Gäste des Berliner – Bibliophilen – Abend ausgewählt hatte. Hier ging es um die Entwicklung entomologisch geprägter Kinderliteratur, die nach und nach von den biblischen Plagen, dem Ungeziefer, dem allgemein schlechten Ruf der Insekten im Mittelalter (Ausnahme Bienen und Ameisen) zu objektiver, natürlicher und letztlich zu wissenschaftlichen Ansichten in Text und Bild führte.
Als Autor ist hier zu nennen Johann Amos Comenius aus Böhmen, eigentlich Komensky, ein berühmter Schulmann und Pädagoge, 1592 – 1671, der mit seinen Schriften, besonders mit „Orbis sensualium pictus“ für Kinder, später immer wieder durch neue Auflagen verbessert und ergänzt 1658 zu einer ersten wirklichkeitsnahen Beschreibung auch der Insekten beitrug.
Bekannt ist weiter Maria Sibylla Merian, 1647 – 1717, die Blumen und besonders auch Insekten in Wasserfarben malte, Kupfer von ihrer Reise nach Surinam selbst stach und damit die geheimnisvolle Insektenwelt dem Volk bekannter machen konnte, auch ihre Schriften werden besonders wegen der Abbildungen bis heute immer wieder verlegt. Zu nennen wären noch viele andere Autoren wie Swammerdam, Linne, Burmeister, die ein naturnahes Denken auch in der Kinderliteratur förderten. So konnte die Entwicklung der Insekten aus Unrat als falsch, die Geheimnisse der Metamorphose erklärt werden, in der Systematik die Spinnen und Krebse von den Insekten getrennt werden.
Der Mikrokosmos der Insektenwelt wurde besonders durch die kunstvollen bildlichen Darstellungen der bunten Schmetterlinge und den auffälligen Formen der Käferwelt aus ihrem rätselvollen Dasein auch den Kindern nahe gebracht. Die Pädagogen waren hier anregend tätig, waren sie doch selbst oft Sammler, Vereinsmitglieder, Leser von entomologischen Zeitschriften, wobei diese Liebhaberei um die Jahrhundertwende 1900 wohl einen Höhepunkt hatte. Gegenwärtig ist das Interesse am Sammeln von Insekten gering ausgeprägt und durch die Fotografie teilweise ersetzt worden, was den Naturschützer erfreut, weniger erfreut ihn das systematische Vorgehen gegen die so genannten Schädlinge, wobei auch andere Bereiche der Natur stärker beeinträchtigt werden.
Als ein gut zu lesendes Buch zur Entomologie sind von Ernst Jünger „Subtile Jagden“ und für den umfassender Interessierten Jean - Henri Fabres „Erinnerungen eines Insektenforschers“ zu empfehlen.

Dr. Christian Klinkenstein

Montag, 18. Mai 2015

Herr Olaf Hamann: Deutsch-Russischer Bibliotheksdialog über die Behandlung kriegbedingt verlagerter Büchersammlungen

Protokoll des Abends vom 18. Mai 2015
Der Deutsch – Russische Bibliotheksdialog zu kriegsbedingt verlagerten Büchersammlungen

Am 18. 5. 2015 trafen sich etwa 20 Mitglieder und Gäste des Berliner – Bibliophilen – Abends zu einem Vortrag von Herrn Olaf Hamann, dem Leiter der Osteuropa Abteilung der Berliner Staatsbibliothek. Bis 1945 sind durch Kriegseinwirkungen unzählige Bücher in vielen Ländern verloren gegangen. Hier ging es um die 2 Millionen Bücher aus deutschen Bibliotheken, die aus der damaligen sowjetischen Besatzungszone in die Sowjetunion verbracht worden sind. Da ein Teil von diesen Büchern aus den ehemaligen westlichen Zonen sich ebenfalls kriegsbedingt im Osten des untergegangen Deutschen Reichs befanden, wurden auch diese mit abtransportiert In der Zeit von 1955 bis 1958 wurde ein Teil dieser Sammlungen an die DDR zurück verbracht (1.5 Mill.). Der Rest ist verschollen, auch im heutigen Russland ist der Verbleib teilweise unbekannt, da von staatlichen Stellen und auch Bibliotheken wenig Interesse an diesen Büchern besteht, so findet auch keine Pflege der Bestände statt. Einzelne Funde zeigen dann leider durch Schimmel und Nässe verrottete Bücherbestände, die seit Verbringung 1945 oft in kleine Orte einfach vergessen wurden.
Nach Ende der Sowjetunion wurde 1992 von deutscher und russischer Seite ein so genannter runder Tisch gegründet, wo beide Seiten ihre Interessen ansprechen konnten. Diese Gespräche zwischen Direktoren von Bibliotheken wurden abwechselnd in Russland und Deutschland wiederholt. Leider wurde dann in Russland 1998 ein Gesetz verabschiedet, dass jegliche Rückführung von Kunstwerken verhinderte, die so genannte Beutekunst von 1945 ging in das Eigentum des Staates über. Allerdings wurden aus den inzwischen selbstständigen Ländern der Ukraine, Armenien und Georgien kleine Sammlungen wieder zurückgegeben, so auch das Archiv der Berliner Singakademie, so die Sammlung Esterhazy nach Österreich. Beide Seiten bleiben aber im Gespräch, seit 2009 findet ein Deutsch – Russischer Museumsdialog statt, wobei es nicht allein um eine Rückführung der Kunstgegenstände, sondern auch um ihre Nutzung, gegenseitige Information und Pflege geht.
Der Vorsitzende des BBA dankte dem Referenten für seine interessanten Ausführungen, für die Anwesenden waren viele Tatsachen bisher unbekannt gewesen.

Dr. Christian Klinkenstein

Dienstag, 14. April 2015

Joachim Liebig - Buch und Theater

Herr Joachim Liebig, Inhaber des Antiquariats Fast alles Theater! Antiquariat für die darstellenden Künste, sprach im Haus am Lützowplatz über die Arbeit eines Theaterantiquars.
Mit dieser Veranstaltung wurde die lose Folge von Berichten spezialisierter Antiquare fortgesetzt. Wo sonst, wenn nicht in Berlin, ist die Verbindung von Literatur und darstellender Kunst ein prägendes Element des kulturellen Lebens.

Montag, 23. März 2015

Dr. Christian Klinkenstein - "Die andere Seite" des Alfred Kubin

Nach einer Mitgliederversammlung referierte Herr Dr. Christian Klinkenstein heute im Haus am Lützowplatz vor dem Berliner Bibliophilen Abend und Gästen über "Die andere Seite" des Alfred Kubin.
Das Werk des Graphikers Kubin, bestimmt durch phantastische Traumvisionen, wurde u.a. durch die visionären und symbolhaften Werke von Francisco de Goya, Edvard Munch und Max Klinger angeregt. Kubin war Zeichner von Verzweiflung, Versagen, Traumbildern, sowohl von Antikriegsüberzeugung als auch von Todessehnsucht, geprägt durch Dostojewski, E.T.A. Hoffmann, Edgar Allan Poe, Barbey d'Aurevilly, die er kongenial illustrierte oder Sigmund Freud und griff dabei auf Traditionen von Hieronymus Bosch, Dürer oder Hans Holbein zurück.

 Seine Andere Seite ist ein phantastische Roman, der 1909 mit eigenen Illustrationen erschien und sich in einer Welt von Phantasien, Wunschvorstellungen, Angstzustände, Halluzinationen und Weltuntergangsvisionen bewegt. Diese prägten das Leben von Kubin, genau wie den Erzähler, der von einem alten Schulfreund Patera in das von diesem geschaffene Traumreich eingeladen wird, wo er drei Jahre verbringt. Die anfängliche Faszination weicht einem immer stärkerem Grauen, bis die Traumstadt „Perle“ schließlich in einem apokalyptischen Szenario in sich zusammenbricht. Carl Gustav Jung war fasziniert von diesem Roman, der den Zeichner Kubin in der Literaturszene bekannt machte und Dr. Klinkenstein schuf mit bewegenden Zitaten aus dem Werk Kubins, durch Anmerkungen von Zeitgenossen, Verweisen auf die Lebenssituationen Kubins, die häufig geprägt war durch Verwirrungen und illustrierte mit Graphiken des Künstlers ein eindrucksvolles Bild dieser Persönlichkeit.
Angeregt zur Leidenschaft zu Alfred Kubin wurde der Referent, wie sich aus Nachfrage ergab, durch ein simples Reclam-Heft, welches 1984 in der DDR erschien.
(ad)
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Protokoll der Jahresversammlung vom 23. März 2015
mit anschließendem Vortrag

I.

Die Jahresversammlung des Berliner Bibliophilen Abends fand am 23. 03. 2015 im Haus am Berliner Lützowplatz mit 28 Teilnehmern statt.

1. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Dr. Ziegler, Feststellung der ordnungsgemäßen Einladung und Beschlussfähigkeit der Versammlung wurde die vorgesehene Tagesordnung in allen Punkten bestätigt. Der Rückblick auf das Jahr 2014 folgte und konnte als interessant und erfolgreich angesehen werden. Für den BBA konnten einige neue Mitglieder gewonnen werden, so dass der Verein derzeit 52 Mitglieder hat.

2. Es folgte der Bericht des Schatzmeisters. Herr Domke berichtete über Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen des Jahres, zusätzlich durch Bücherverkäufe kamen 756 Euro in die Kasse, die Spenden sind leider etwas weniger geworden. Der Bericht des Schatzmeisters wurde bestätigt und danach der Vorstand entlastet.

3. Anschließend erfolgten Diskussionen zur Exkursion im Jahr 2015 und zu den Möglichkeiten intensiverer Werbung für den Verein. Ins Auge gefasst wurde eine Reise nach Hamburg zum Besuch der Barbara Achilles Stiftung. Über eine weitere Gestaltung der Internetseite des BBA konnte keine eindeutige Entscheidung getroffen werden, da hier unterschiedliche Meinungen unter den Mitgliedern herrschen.

Dr. Christian Klinkenstein
Schriftführer/Protokoll

II.
Im Anschluss sprach Herr Dr. Christian Klinkenstein wie angekündigt über

Alfred Kubin und sein Buch „Die andere Seite“

Kubin ist als Zeichner und Illustrator bekannt. Geboren 1877 im damaligen Leitmeritz verläuft seine Jugend wechselhaft bis er sich endlich entscheidet in München 1898 eine Ausbildung zum Maler und Zeichner aufzunehmen. Bereits um 1900 entstehen erste eindrucksvolle Zeichnungen, die sich traumhaft, phantasiereich mit der Welt beschäftigen, weniger eine Wirklichkeit widerspiegeln, sondern das, was sein könnte oder sein sollte im Leben. Rückkehr zu den Träumen, die ein Teil von sich selbst ausmachen. Es folgen einige Reisen nach Italien, Dalmatien und Paris, sie bringen weitere Anregungen für den Künstler. 1904 Heirat mit Hedwig Gründler, 1906 Kauf des Schlösschens in Zwickledt. Hier werden beide bis zum Ende ihres Lebens bleiben.
Kubin schreibt und illustriert 1908 hier seinen Roman „Die andere Seite“, der bis heute noch Aufmerksamkeit erregt.
Ein junges Paar wird aus München in das Traumreich mit der Hauptstadt Perle gelockt und findet hier unwirkliche, eben traumhafte Zustände vor, Erinnerungen an das beschauliche Leben im alten k und k Österreich werden vorgeführt. Man ist nicht immer zufrieden, aber es ist auszuhalten bis ein Amerikaner erscheint, der hier alles reformieren, umändern, ja revolutionieren will.
Das bedeutet nach und nach das Ende dieses Traumreichs, ein Verfall, eine Zerstörung der Stadt Perle ist nicht aufzuhalten, die Beziehungen der Menschen zueinander verändern sich bis zu „Mord und Totschlag“, Seuchen und wilde Tiere treiben das Geschehen voran. Wenige überleben den Untergang des Traumreiches. Vergleiche zu gegenwärtigem Ereignisse sind sicher möglich.
In den 1. Weltkrieg muss Kubin nicht mehr als Soldat. Die Zeit von 1918 bis etwa 1940 sind seine erfolgreichen Schaffensjahre, er illustriert Poe, Dostojewski, E.T.A. Hoffmann, Balzac und viele andere, dazu entstehen Graphikmappen, immer wieder Zeichnungen für den „Simplicissimus“ Nach und nach schreibt er seine Lebenslauf, der auch in Etappen veröffentlicht wird, dazu kommt sein Leben lang ein reger Briefwechsel mit Freunden.
Er verkauft ganz gut. Alles wird 1938 wieder anders mit dem Anschluss Österreichs an das faschistische Deutsche Reich, seine Frau ist Halbjüdin. 1945 besetzen die Amerikaner das kleine Dorf, 1948 stirbt seine Frau, er beginnt zwar rasch wieder mit seiner zeichnerischen Arbeit, erreicht aber nicht mehr die Produktivität der Vorkriegsjahre, viele Ehrungen erreichen ihn, Ausstellungen auch im Ausland. 1959 verstirbt Prof. Alfred Kubin nach sechsmonatiger Krankheit in Zwickledt.

Dr. Christian Klinkenstein

Dienstag, 24. Februar 2015

Hans-Jürgen Wilke: Leben und Werk von Conrad Felixmüller

Der Berliner Bibliophilen Abend war heute zu Gast bei Hans-Jürgen Wilke, dem letzten Drucker und leidenschaftlichem Sammler von Conrad Felixmüller.
Felixmüller, 1897 in Dresden geboren, Gründungsmitglied und Präsident der Dresdner Sezession Gruppe 1919 mit Lasar Segall, Otto Dix und Otto Griebel und Mitglied der Novembergruppe, war Mitglied der KPD, bis er 1924 enttäuscht das Parteibuch zurückgab und, nach langer Schaffenspause, in der dieser bedeutende Künstler sich u.a. auf das Malen von Preischildern für Karstadt beschränkte, 1949 bis 1961 Professor an der Universität Halle. Die 20 Hörer des heutigen Abends erfuhren von Freundschaften Felixmüllers z.B. mit Hans Koch oder Otto Dix, Carl Sternheim oder mit Friedrich Wolf, die ihn auch zu Buchillustrationen inspirierte. 1967 übersiedelte er von Berlin-Köpenick (DDR) nach Westberlin, wo er ab 1971 in Jürgen Wilke "seinen" Drucker fand. Das Œuvre von Felixmüller umfasst gut 2.500 Werke.

Bereits die erste Begegnung mit Felixmüller 1971 begeisterte den Drucker für dessen künstlerisches Schaffen und legte den Grundstein für Wilkes beeindruckende Sammlung, die inzwischen viele äußerst rare Stücke beinhaltet, die häufig zusätzlich mit einer persönlichen Widmung versehen sind. Als überraschendstes Stück präsentierte Jürgen Wilke ein Ölgemälde mit einem Doppelportrait mit seiner Frau, welches Felixmüller 1976, ein Jahr vor seinem plötzlichen Tod am 24. März 1977 fertigte. (Wilke trug bei der Präsentation dasselbe Hemd wie auf dem Gemälde.)

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Protokoll des Abends vom 24. Februar 2015
Leben und Werk von Conrad Felixmüller

Über das Leben und das Werk von Conrad Felixmüller berichtete am 24. Februar 2015 Herr Hans – Jürgen Wilke, wozu sich 20 Mitglieder des Berliner – Bibliophilen – Abends in seiner Wohnung getroffen hatten. Conrad Felixmüller war Maler und Grafiker (geb. 1897 Dresden), der ein umfangreiches Werk hinterlassen hat. Das sind etwa 1000 Gemälde und reichlich graphische Bilder, vor allem Holzschnitte, Lithos und Radierungen, dabei beteiligte er sich auch an Mappenwerken, dazu kommen Illustrationen von Büchern (Else Lasker Schüler). Bekannt sind auch die Bildnisse, die er von Max Liebermann, Christian Rohlfs, Lovis Corinth und Friedrich Wolf geschaffen hat.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde Felixmüller Mitglied der Dresdener - Sezession - Gruppe, heiratete die Schwester des Malers Böckstiegel und trat bereits 1918 der KPD bei, erklärte aber schon 1926 wieder seinen Austritt. 1933 siedelte er nach Berlin über, nach dem 2. Weltkrieg wurde er 1945 aus sowjetischer Gefangenschaft entlassen. Von 1949 bis 1962 war er Professor in Halle. Seine Freundschaft zu dem Dichter Friedrich Wolf animierte ihn für dessen Dramen „Der arme Konrad“ und „Thomas Müntzer“ Bühnenbilder zu entwerfen. 1967 zog er aus Berlin Köpenick nach Berlin Zehlendorf, wo er bis zu seinem plötzlichen Tod 1977 weiter künstlerisch auch mit Straßenszenen aus Berlin tätig war.
Hier begann dann auch das freundschaftliche Verhältnis zu seinem Drucker Jürgen Wilke, der interessant aus dieser Periode berichten konnte. So über seinen Arbeitsstil und sein Anliegen bei seiner künstlerischen Tätigkeit, auch Anekdotisches über Künstlerkollegen etwa Otto Dix und Karl Schmidt – Rottluff. Für den Drucker Jürgen Wilke bot sich an, eine Sammlung von Felixmüller anzulegen, ein Teil davon konnte an den Wänden der beiden Räume bewundert werden, dazu lagen diverse Kataloge und Bücher über den Künstler zur Ansicht aus. Fast alles nur Felixmüller. Und wie überrascht waren alle, als Herr Wilke ein Ölgemälde von Conrad Felixmüller zeigte, auf dem er und seine Frau noch 1976 portraitiert waren. Ein schöner Abend!

Dr. Christian Klinkenstein